Die Geschichte von Urinproben

The history of urine testing

Bereits vor über 6000 Jahren begannen Ärzte damit, Urin zur Diagnose von Krankheiten zu nutzen. Damals bezeichneten Ärzte den Urin als „göttliche Flüssigkeit”, den sie als Fenster für einen Blick in den Körper angesehen haben. 

Das gilt auch heute noch, wobei unsere Methoden mittlerweile deutlich ausgereifter sind. Heute können Ärzte Krankheiten wie Harnwegsinfektionen, Nierenerkrankungen, Krebs und sogar Diabetes durch Urintests erkennen und behandeln. 

Darüber hinaus ist die moderne Urindiagnostik sehr einfach geworden, so dass wir Anzeichen für eine Schwangerschaft, den Eisprung und andere Gesundheitsprobleme ganz bequem von zu Hause aus feststellen können.

Wie sind Urinproben entstanden?

In der Antike haben Ärzte den Urin visuell betrachtet, was als Uroskopie bzw. Harnschau bezeichnet wurde. Erste Aufzeichnungen dazu wurden auf Tontafeln von babylonischen und sumerischen Ärzten von 4000 v. Chr. gefunden. Diese Praxis wurde dann von den Ägyptern und Griechen fortgesetzt.

In der alten Sanskrit-Literatur (500 n. Chr.) wurden medizinische Werke gefunden, in denen 20 verschiedene Arten von Urin beschrieben werden. Den indischen Ärzten wird insbesondere die Entdeckung eines Indikators für Diabetes zugeschrieben: Sie stellten fest, dass schwarze Ameisen von dem süßlich schmeckenden Urin von Diabetes-Patienten angezogen wurden. 

Hippokrates (460-370 v. Chr.) entdeckte schließlich einen Indikator für eine Nierenerkrankung, nachdem er die kleinen Bläschen auf der Oberfläche von frischem Urin analysiert hatte. Zudem konnte er auch Fieber mit Ablagerungen im Urin in Verbindung bringen und feststellen, dass die Ablagerungen im Urin mit steigendem Fieber zunahmen. Galen (129-200 n. Chr.) verfeinerte diese Ideen und Konzepte von Hippokrates dann schließlich zur Urinanalyse. Er bezeichnete Polyurie, einen Zustand, bei dem der Körper mehr als gewöhnlich uriniert und übermäßig große Mengen Urin ausscheidet, als „Urindurchfall“.

Urinanalyse im Trend

Im Mittelalter war man der Ansicht, dass sich fast jede Krankheit durch eine Urinuntersuchung feststellen ließe. 

Ismail Jurjani, ein Arzt aus dem 11. Jahrhundert, beschäftigte sich z. B. mit der Sammlung von Urinproben für Laboruntersuchungen. Laut ihm sollte Urin über einen Zeitraum von 24 Stunden in einem großen, sauberen Gefäß gesammelt werden und nicht in Hitze oder direktem Sonnenlicht aufbewahrt werden, da dies die Farbe des Urins verändern kann. Diese Praxis galt jahrhundertelang als das beste medizinische System und wird auch heute noch zur Überprüfung der Nierenfunktion verwendet.

In der Renaissance fanden Urinproben und Uroskopie durch das medizinische Manuskript „Fasciculus Medicinae“ schließlich in den Haushalt. Mit Hilfe dieses Nachschlagewerks wurde die Harnschau als so einfach angesehen, dass sie von jedem erlernt werden konnte.

Moderne Diagnostik

Mit der Erfindung des Mikroskops durch Hans und Zacharias Jensen wurde der Bereich der Urinuntersuchung nochmals erweitert, sodass ab dem Jahr 1630 auch Steinfragmente und ab 1665 sogar Harnkristalle im Urin nachgewiesen werden konnten. Im Jahr 1830 wurde die Mikroskopie schließlich in die medizinische Praxis eingeführt und 1865 erstmals zum Nachweis von Krebszellen im Urin eingesetzt.

Die ersten modernen Tests zum genauen Nachweis einer Schwangerschaft im Urin wurden 1927 von den deutschen Wissenschaftlern Ascheim und Zondek entwickelt, doch es vergingen Monate, bis endlich erste Ergebnisse vorlagen. Danach vergingen noch einige Jahrzehnte, bis diese Diagnose schließlich so weit vereinfacht wurde, dass sie in Arztpraxen durchgeführt werden konnte. In den 1970er Jahren kam dann der Schwangerschaftstest für zu Hause auf den Markt.

Bei Krebserkrankungen der Blase und der Harnwege ist eine komplexe molekulare Diagnostik, die eine teure Laborausrüstung erfordert, immer noch die Norm. In den 1990er Jahren wurden erstmals enzymgekoppelte Immunoassays zum Nachweis von Krebszellen im Urin eingesetzt.

Heutzutage wird eine Kombination aus historischen und modernen Methoden der Urinuntersuchung verwendet. Die Ärzte von heute untersuchten den Urin zunächst visuell, dann unter dem Mikroskop und schließlich mit molekularer Diagnostik – mit diesen drei Methoden können viele Gesundheitsindikatoren und Erkrankungen festgestellt werden. 

Da immer mehr Methoden entwickelt werden, ist die Idee aus dem Mittelalter, fast jede Krankheit durch eine Urinprobe identifizieren zu können, vielleicht auch heute noch gar nicht so abwegig.

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